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Interreligiöse Exkursion der Klasse 6ab des Mädchenprogymnasiums St. Klara in Rottenburg a. N.

 

21. Oktober 2016

 

 

Im Rahmen der im katholischen Religionsunterricht stattfindenden Unterrichtseinheit »Begegnung mit Gott und dem Fremden – Sakrale Räume in Christentum, Judentum und Islam« unternahm eine Gruppe von Schülerinnen der Klassen 6a und 6b des Mädchenprogymnasiums St. Klara in Rottenburg am 21. Oktober 2016 eine Exkursion zur Fethi-Moschee nach Schömberg sowie zur Alten Synagoge nach Hechingen. Durchgeführt wurde die Exkursion in Kooperation mit Herrn Dr. Matthias Burger von der Stiftung Weltethos, die sich dankenswerter Weise auch mit einem Zuschuss an den Kosten beteiligte.

 

Im Zentrum der Fahrt stand die Umsetzung des dialogischen interreligiösen Lernens durch die vorurteilsfreie Begegnung mit fremden Religionen. Diese Begegnung wurde hierbei vor allem mittels praxisorientierter Erkundung sakraler Räume sowie dem direkten Gespräch mit Vertretern anderer Religionen umgesetzt. Letzteres konnte aufgrund der Tatsache, dass es nicht mehr viele jüdische Gemeinden in Deutschland gibt, aus organisatorischen Gründen lediglich mit Vertretern der muslimischen Gemeinde erfolgen.

 

So wurden die Schülerinnen mit ihrem Religionslehrer Herrn Galm, der Begleitlehrerin Frau Thalhofer sowie Stiftungsmitarbeiter Herrn Dr. Burger sehr herzlich in der Moschee in Schömberg begrüßt. Nach der selbstständigen Erkundung des Gebäudes sowie dem schriftlichen Festhalten der ersten Eindrücke und Fragen gestalteten das Gemeindemitglied Frau Keziban Ermi sowie der Imam, d. h. der Vorbeter und Leiter der muslimischen Gemeinde Schömbergs, eine Führung durch die Moschee. Neben der Erklärung der einzelnen »Einrichtungsgegenstände« erhielten die Besucherinnen auch Eindrücke von der muslimischen Glaubenspraxis: So veranschaulichte der Imam beispielsweise den Ablauf eines Gebets in traditioneller Gebetskleidung, sang den muslimischen Gebetsruf auf Arabisch und führte die unmittelbar vor dem Gebet übliche rituelle Waschung vor den Augen der Schülerinnen durch. Letztere waren von dieser Anschaulichkeit ganz begeistert und brachten ihr großes Interesse an der Gebäudeeinrichtung, dem Ablauf der Gebete sowie der Lebenspraxis gläubiger Muslime durch eine Vielzahl an Fragen zum Ausdruck, welche mit großer Geduld beantwortet wurden. Schließlich mündete die muslimische Gastfreundschaft in einer Einladung der Besucherinnen zu einem kleinen Vesper im Versammlungsraum des Moscheegebäudes, bevor die Fahrt von Schömberg aus nach Hechingen fortgesetzt wurde.

 

Im krassen Gegensatz zu der erfahrenen Lebendigkeit der muslimischen Gemeinde stand dort dann der Besuch der Alten Synagoge der ehemaligen jüdischen Gemeinde Hechingens. Sensibilisiert durch die Thematisierung der historischen Gründe dafür, dass dieses Gebäude heute nicht mehr im Sinne seiner religiösen Zweckbestimmung genutzt wird, äußerten einige Schülerinnen bereits auf ihrem persönlichen Erkundungsbogen ihre Betroffenheit darüber, dass dieser »wunderbare Ort« nicht mehr aktiv genutzt werde und hier keine jüdische Gemeinde mehr ansässig sei. Im Anschluss an die Erkundung des restaurierten Sakralraums, bei der die Schülerinnen auch die ständige Ausstellung zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Hechingen auf der ehemaligen Frauenempore mit Interesse besuchen konnten, führte Herr Dr. Burger durch den Synagogenraum und erläuterte die Bedeutung der einzelnen Einrichtungsgegenstände. Mithilfe der vorhandenen Ausstattung sowie seines Judentum-Materialkoffers, der u. a. eine Kippa (Kopfbedeckung), einen Gebetsschal und eine exemplarische Thora-Rolle beinhaltete, führte auch er den Schülerinnen Details über Synagoge sowie Gebetspraxis der Juden anschaulich vor Augen und las einen Abschnitt aus der Thora auf Hebräisch vor. Nachdem die Fragen der Schülerinnen alle beantwortet waren, stattete die Gruppe vor der Heimfahrt noch der kath. Stiftskirche St. Jakobus einen Besuch ab, wo die Schülerinnen einen Vergleich mit den beiden zuvor besuchten sakralen Räumen von Judentum und Islam ziehen konnten und insbesondere das dreiteilige Deckengemälde, welches den christlichen Glauben an Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist künstlerisch verarbeitet, im Mittelpunkt stand.

 

Am Ende der Exkursion konnte als Fazit gezogen werden, dass diese gerade für die Schülerinnen der 6. Klasse eine lebensnahe sowie sehr eindrückliche Begegnung mit zwei »fremden« Religionen war und hierdurch einen nachhaltigen Beitrag zur interreligiösen Verständigung sowie zum Abbau von Vorurteilen geleistet hat.

 

Philipp Galm