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Abraham soll seinen Sohn »opfern«

Baustein von Walter Lange

 

 

I  Marc Chagall, Die Opferung Isaaks

 

 

 

II  Wie das Erste Testament und der Koran von Abrahams »Opfer« erzählen 

 

1 Mose, Genesis 22,1–19

 

 

Sure 37, 99–113

 

1 Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham!

 

Er antwortete: Hier bin ich. 2 Gott sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija, und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar. 3 Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel, holte seine beiden Jungknechte und seinen Sohn Isaak, spaltete Holz zum Opfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte. 4 Als Abraham am dritten Tag aufblickte, sah er den Ort von weitem. 5 Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten: Bleibt mit dem Esel hier! Ich will mit dem Knaben hingehen und anbeten; dann kommen wir zu euch zurück.

 

6 Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf. Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So gingen beide miteinander. 7 Nach einer Weile sagte Isaak zu seinem Vater Abraham: Vater! Er antwortete: Ja, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer? 8 Abraham entgegnete: Gott wird sich das Opferlamm aussuchen, mein Sohn. Und beide gingen miteinander weiter. 9 Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham den Altar, schichtete das Holz auf, fesselte seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. 10 Schon streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. 11 Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. 12 Jener sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus, und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten.

 

13 Als Abraham aufschaute, sah er: Ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar. 14 Abraham nannte jenen Ort Jahwe-Jire (Der Herr sieht), wie man noch heute sagt: Auf dem Berg läßt sich der Herr sehen.

 

15 Der Engel des Herrn rief Abraham zum zweitenmal vom Himmel her zu 16 und sprach: Ich habe bei mir geschworen - Spruch des Herrn:

Weil du das getan hast und deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast, 17 will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine Nachkommen sollen das Tor ihrer Feinde einnehmen. 18 Segnen sollen sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast. 19 Darauf kehrte Abraham zu seinen Jungknechten zurück. Sie machten sich auf und gingen miteinander nach Beerscheba. Abraham blieb in Beerscheba wohnen.

 

 

 

99. Und Abraham sprach: »Siehe, ich gehe zu meinem Herrn, Der mich richtig führen wird.

 

100. Mein Herr, gewähre mir einen rechtschaffenen (Sohn).«

 

101. Dann gaben Wir ihm die frohe Kunde von einem sanftmütigen Sohn.

 

102. Als er alt genug war, um mit ihm zu arbeiten, sprach (Abraham): »O mein lieber Sohn, ich habe im Traum gesehen, dass ich dich schlachte. Nun schau, was meinst du dazu?« Er antwortete: »O mein Vater, tu, wie dir befohlen; du sollst mich, so Allah will, standhaft finden.«

 

103. Als sie sich beide (Gott) ergeben hatten und er ihn mit der Stirn gegen den Boden hingelegt hatte,

 

104. Da riefen Wir ihm zu: »O Abraham,

 

105. Erfüllt hast du bereits das Traumgesicht.« Also lohnen Wir denen, die Gutes tun.

 

106. Das war in der Tat eine offenbare Prüfung.

 

107. Und Wir lösten ihn aus durch ein großes Opfer.

 

108. Und Wir bewahrten seinen Namen unter den künftigen Geschlechtern.

 

109. Friede sei auf Abraham!

 

110. Also lohnen Wir denen, die Gutes tun.

 

111. Er gehörte zu Unseren gläubigen Dienern.

 

112. Und Wir gaben ihm die frohe Kunde von Isaak, einem Propheten, der Rechtschaffenen einem.

 

113. Und Wir segneten ihn und Isaak. Unter ihren Nachkommen sind (manche), die Gutes tun, und (andere), die offenkundig gegen sich selbst freveln.

 

 

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III  Deutungen

 

1  Historisch-kritische Informationen: Opfer in der Geschichte der Menschheit

Nach Gerhard Lohfink und Eugen Drewermann

 

 

Für die Ausleger des Alten Testaments steht seit langem fest, daß die religionsgeschichtlichen Wurzeln der Erzählung von Abrahams Opfer tief in die Vergangheit Palästinas hinabreichen. Denn der Brauch, in Notzeiten oder bei besonderen Anlässen Gott den Erstgeborenen als kostbarsten Besitz zu opfern, ist uralt. Oft geschah ein solches Opfer im Rahmen eines Gelübdes. [1]

 

Um die Naturmächte, die man für Götter hielt, gnädig zu stimmen, bedurfte es nach der Überzeugung der mittelamerikanischen Azteken vor 500 Jahren unermeßlicher, nie endender Opfer- und Sühnerituale.

 

Jeden Morgen z. B., wenn die Sonne über dem Tal von Mexiko aufging, verlangte sie, nach der täglichen Schwächung während der Nacht, das Herz von Menschen.

 

Die Gestalt der menschenfressenden Morgensonne wurde als ein Kopf mit Adlerfängen abgebildet, die Menschenherzen in den Krallen hielt.

 

Und nicht nur für die Sonne, ebenso für den Mais, ebenso für die einzelnen Riten der Jahreszeiten, für jeden wichtigen Abschnitt im Umlauf der Gestirne verlangten diese Götter Menschenopfer.

 

Die Religion der Aztekten war dabei, wenngleich besonders blutrünstig, durchaus kein Sonderbeispiel. Alle Frömmigkeit der Fruchtbarkeitsreligionen schließt eine solche Opferung Einzelner im Dienste des Lebens aller mit Notwendigkeit in sich.

 

 

Anfangs waren es wohl besonders wertvolle Persönlichkeiten eines Stammes, waren es Könige und Edle, von deren Tod man sich eine Verbesserung im Leben der Natur erhoffen konnte; erst später wohl wird man an Stelle des Königsopfers den Sohn des Stammesfürsten oder, noch später, ein Tier ersatzweise den grausamen Göttern zum Opfer dargebracht haben.

 

Die Erzählung von Abrahams Opferung will hervorheben, daß der Gott Israels das Leben jedes Einzelnen beachtet und nicht will, daß man es wie etwas Unwesentliches im Dienste der Natur zertritt.

 

Für den Gott Israels besitzt zufolge dieser Darstellung jeder Mensch eine einmalige und unvertauschbare Bedeutung im Gang der Geschichte und es ist daher wider Gottes Willen, einen Menschen als Individuum im Kreislauf der Natur untergehen zu lassen.

 

Der Wert des Einzelnen vor Gott unterscheidet den Glauben Israels, wie er am Beispiel Abrahams gezeigt wird, prinzipiell von den Auffassungen der Naturreligionen.

 

Dieser Bruch mit den Naturreligionen ist offensichtlich ein Hauptpunkt der Erzählung vom Opfer Isaaks. [2]

[1] Vgl. Gerhard Lohfink, Jetzt verstehe ich die Bibel. Ein Sachbuch zur Formkritik. Stuttgart 1973, S. 83.

 

[2] Vgl. Eugen Drewermann, Abrahams Opfer, in: Bibel und Kirche 1984, S. 113–124.

 

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2  Die Wahrheit der Abraham-Erzählung

Nach Eugen Drewermann

 

Menschen verliert man, wenn man sie behalten will.
Menschen behält man nur, wenn man sie aus den Händen gibt.

 

 

Erläuterungen

 

 

Kahlil Gibran

Je mehr sich Eltern um ihrer Selbstachtung willen und um ihrer eigenen Zukunft willen an ihre Kinder klammern, desto mehr treibt man alles dahin, diese Kinder zu verlieren.

 

Irgendwann tritt für jeden Vater und jede Mutter das unerbittliche, das göttliche Erfordernis heran, sein Kind »aufzuopfern«.

 

Je mehr sich Eltern an ihr Kind, ihr »einziges« geklammert halten, umso schmerzlicher und schrecklicher wird diese Forderung der Loslösung sie überfallen.

 

Kein Mensch vermag die Sorge um jemand, den er von Herzen liebhat, aufzugeben, wenn er nicht weiß, wem er den anderen anvertraut. Und niemals darf in solchem Fall der Andere einfachhin wieder ein anderer Mensch sein; sonst würde ja nur eine Form innerer Abhängigkeit durch eine andere vertauscht.

 

Gott muss das Opfer fordern, damit Abraham und Isaak zu ihrem eigentlichen Leben finden.

 

Kinder finden zu ihrem eigenen Leben nur, wenn die Eltern lernen, selbst zu sein. [1]

 

Deine Kinder sind nicht deine Kinder.

Sie kommen durch dich,

aber nicht von dir;

und sind sie auch bei dir,

so gehören sie dir doch nicht.

 

Du darfst ihnen deine Liebe geben,

aber nicht deine Gedanken.

 

Du kannst ihrem Leib ein Heim geben,

aber nicht ihrer Seele;

denn ihre Seele wohnt

im Haus von Morgen,

das du nicht betreten kannst,

nicht einmal in deinen Tträumen.

 

Du kannst versuchen,

ihnen gleich zu werden,

aber versuche nicht,

sie dir gleich zu machen;

denn das Leben läuft nicht rückwärts,

noch verweilt es beim Gestern.

 

Du bist der Bogen,

von dem deine Kinder

als lebende Pfeile entsandt werden.

 

[1] Vgl. Eugen Drewermann, Abrahams Opfer, in: Bibel und Kirche 1984, S. 113–124.
Ferner:  Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn. Predigten zum 1. Buch Mose, Düsseldorf 1994, S. 198–215.

   

 

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3  Wie Muslime Abrahams Prüfung auslegen

Karl-Josef Kuschel

 

 

In der muslimischen Exegese gibt es dazu zwei Auslegungstraditionen – ermöglicht dadurch, daß der Name des »braven Jungen« an dieser Stelle des Koran zunächst nicht genannt wird.

 

Eine Gruppe von Kom­mentatoren sieht hier – getreu der biblischen Überlieferung – Isaak geopfert, denn dieser wird zumindest im nächsten Vers (37,112) ausdrücklich erwähnt. Eine andere Gruppe will hier gezielt Ismael­ als denjenigen Sohn erkennen, den Abraham opfern will. Begreiflich­, denn diese Version liegt ganz auf der Linie der Ismael-Priorität im späteren Islam. Ismael hätte sich damit bereits als vorbildlicher Muslim erwiesen, als ein Mensch also, der sich vorbehaltlos in den Willen Gottes ergibt, in der Prüfung als »fromm« be­funden und deshalb von Gott gesegnet wird.

  Abrahams Opfer ist denn auch das Urbild des rituellen Opfers, das den Höhepunkt jeder großen Wallfahrt nach Mekka bildet (vgl. Sure 37,107; 2,124), Urbild auch des Opferfestes, das in der gesamten islamischen­ Welt am 10. Tag des Wallfahrtsmonats gefeiert wird. Wenn die Pilger im acht Kilometer von Medina gelegenen Dorf Mina die vorgeschriebenen Riten vollziehen, u. a. das Schlachten von Opfertieren wie Kamelen, Rindern, Schafen oder Ziegen (vgl. Sure 22,28.30), dann vollziehen sie nach ihrem Selbstverständnis die Opferbereitschaft Abrahams nach, dann vollziehen sie im wahrsten Sin­ne­ des Wortes »Islam« – nicht nur individuell, sondern auch kol­lektiv­. Ja, mehr noch: Der Muslim erlebt im Vollzug des Opfers und der Wallfahrt Abrahams Leben noch einmal neu, realisiert und aktualisiert­ körperlich wie geistig, was Glauben wie Abraham heute bedeutet­: Abschwörung jeder Idolatrie und Überantwortung an den einen und wahren Gott.

 

Karl-Josef Kuschel, Streit um Abraham. Was Juden, Christen und Muslime trennt – und was sie eint, Düsseldorf 2001, S. 197.    

 

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4  Abraham und sein Gottesbild

Nach: Anselm Grün

 

 

Nicht Gott verlangt von Abraham, dass er seinen einzigen Sohn opfert, sondern das Gottesbild, das Abraham hat, führt dazu, dass er seinen Sohn auf dem Altar des Perfektionismus oder seiner religiösen Ideen zum Opfer bringt. Anders formuliert: Abraham bringt seinen Sohn einem Götzen als Opfer dar. Solche Götzen können verschiedenen Namen haben: das kann die eigene Karriere sein, das Geld, das eigene Ego. Dem Vater ist dann das Geld oder die Macht wichtiger als der Sohn. Und der Sohn kann in diesem Umfeld nicht leben.

 

Doch die Geschichte hat einen tröstlichen Ausgang: Gott schickt seinen Engel, der Abraham davor bewahrt, seinen Sohn zum Opfer zu bringen. Der Engel öffnet Abraham die Augen, so dass er einen Widder sieht. Der Widder steht für die eigene Kraft. Manchmal muss der Vater etwas von der eigenen Kraft opfern, damit der Sohn leben kann.

 

 

Wenn wir die Geschichte so deuten, ist sie hochaktuell:
Es gibt Eltern, die ihre Söhne und Töchter auf dem Altar ihres rigorosen Gottesbildes opfern. Sie missbrauchen Gott als verlängerten Arm ihrer kontrollierenden Erziehung. So wird das Leben des Kindes mit Schuldgefühlen und Ängsten vergiftet.


Andere Eltern benutzen ihre Söhne und Töchter nur, um nach außen mit ihnen anzugeben, kümmern sich aber nicht um sie.

 

Doch Gott schickt auch Eltern mit einem solchen Gottesbild seinen Engel, damit er ihnen die Augen öffnet.

Anselm Grün, Schwierige Bibelstellen spirituell erschlossen, Freiburg 2014, S. 40–42

 

 

 

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5  »Abraham« soll seinen Sohn »opfern«

 Nach Hubertus Halbfas

 

Ganz anders als Abraham, verhält sich der Soldat Beckmann. Er hat als Einziger den Krieg überlebt. Alle seine Kameraden sind gefallen. Seine Heimatstadt Hamburg liegt in Trümmern. Sein Haus ist zerstört, die Trümmer haben sein Kind begraben. Seine Frau ist zu einem anderen Mann gegangen. Nun sitzt Beckmann verzweifelt und müde an der Elbe. Er schläft ein und träumt:

 

 

Als 1944 das Warschauer Getto in Flammen stand und die brennenden Häuser zu Gräben wurden, erinnert sich kurz vor seinem Tode ein jüdischer Mann einer alten Geschichte, die wiederum von einem »Abraham« erzählt:

 

 

Beckmann: Ach, du bist also der liebe Gott. Wer hat dich eigentlich so genannt, lieber Gott? Die Menschen? Ja? Oder du selbst?

 

Gott: Die Menschen nennen mich den lieben Gott.

 

Beckmann: Seltsam, ja, das müssen ganz seltsame Menschen sein, die dich so nennen. Das sind wohl die Zufriedenen, die Satten, die Glücklichen, und die, die Angst vor dir  haben. Die im Sonnenschein gehen, verliebt oder satt oder zufrieden – oder die es nachts mit der Angst kriegen, die sagen: Lieber Gott! Lieber Gott! Aber ich sage nicht Lieber Gott, du, ich kenne keinen, der ein lieber Gott ist, du!

 

Gott: Mein Kind, mein armes –

 

Beckmann: Wann bist du eigentlich lieb, lieber Gott? Warst du lieb, als du meinen Jungen, der gerade ein Jahr alt war, als du meinen kleinen Jungen von einer brüllenden Bombe zerreißen ließt? Warst du da lieb, als du ihn ermorden ließt, lieber Gott, ja?

 

Gott: Ich hab ihn nicht ermorden lassen.

 

Beckmann: Nein, richtig, Du hast es nur zugelassen. Du  hast nicht hingehört, als er schrie und als die Bomben brüllten. Wo warst du da eigentlich, als die Bomben brüllten, lieber Gott? Oder warst du lieb, als von meinem Spähtrupp elf Mann fehlten? Elf Mann zu wenig, lieber Gott, und du warst gar nicht da, lieber Gott. Die elf Mann haben gewiss laut geschrien in dem einsamen Wald, aber du warst nicht da, einfach nicht da, lieber Gott. Warst du in Stalingrad lieb, lieber Gott, warst du da lieb, wie? Ja? Wann warst du denn eigentlich lieb, Gott, wann? Wann hast du dich jemals um uns gekümmert, Gott?

 

 

Mein Rabbi hat mir oft eine Geschichte erzählt von einem Juden, der mit Frau und Kind der spanischen Inquisition entflohen ist und über das stürmische Meer in einem kleinen Boot zu einer steinigen Insel trieb. Es kam ein Blitz und erschlug die Frau. Es kam ein Sturm und schleuderte sein Kind ins Meer. Allein, elend wie ein Stein, nackt und barfuß, geschlagen vom Sturm und geängstigt von Donner und Blitz, mit verwirrtem Haar und die Hände zu Gott erhoben, ist der Jude seinen Weg weitergegangen auf der wüsten Felseninsel und hat zu Gott gesagt:

 

»Gott von Israel – ich bin hierher geflohen, um Dir ungestört dienen zu können, um Deine Gebote zu erfüllen und Deinen Namen zu heiligen: Du aber hast alles getan, damit ich nicht an Dich glaube. Solltest Du meinen, es wird Dir gelingen, mich von meinem Weg abzubringen, so sage ich Dir, mein Gott und Gott meiner Väter: Es wird Dir nicht gelingen. Du kannst mich schlagen, mir das Beste und Teuerste nehmen, das ich auf der Welt habe. Du kannst mich zu Tode peinigen – ich werde immer an Dich glauben. Ich werde Dich immer liebhaben – Dir selbst zum Trotz!

 

Und das sind meine letzten Worte an Dich, mein zorniger Gott: Es wird Dir nicht gelingen! Du hast alles getan, damit ich nicht an Dich glaube, damit ich an Dir verzweifle! Ich aber sterbe, genau wie ich gelebt habe, im felsenfesten Glauben an Dich.

 

Höre, Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einig und einzig!«

 

 

Zweimal geschehen schrecklliche Dinge, die den Menschen alles nehmen, was sie lieben. Sie reagieren unterschiedlich. Der Heimkehrer Beckmann kann nicht sagen: »Hier bin ich!« Er fragt: »Wo warst du?«

 

 

Der andere »Abraham« hingegen, dem Heimat, Frau und Kind genommen wurde, vermag »Hier bin ich!« zu sagen.

Wie leben beide weiter?

Hubertus Halbfas, Die Bibel für kluge Kinder und ihre Eltern, S. 54–55.

 

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