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Die Ausstellung in der Marienschule in Münster

Bischöfliches Gymnasium für Mädchen

 

Marienschülerinnen eröffnen Ausstellung über Weltreligionen   

Im traditionellen Sari und mit Trommelklängen zog Lakshmi die Aufmerksamkeit ihrer Mitschülerinnen in der Pausenhalle der Marienschule auf sich. Lakshmi ist Hindu und hat sich gemeinsam mit anderen Schülerinnen des Bischöflichen Mädchengymnasiums dafür eingesetzt, dass die Ausstellung »Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos« in die Schule kommt. Am 24. Februar wurde diese in einer Feierstunde in der Schule eröffnet.

 

»Bei dieser Ausstellung geht es nicht nur um Informationen, sondern vor allem um die Frage, wie ein gemeinsames Leben gelingen kann, wenn man verschiedenen Religionen angehört«, erklärte Religionslehrerin Marietheres Eggersmann-Büning. Dabei stünden nicht die Unterschiede, sondern vor allem die Gemeinsamkeiten im Vordergrund.

 

Die Ausstellung »Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos« wurde von der Stiftung Weltethos konzipiert. Schwerpunkt ist die vom Schweizer Theologen Hans Küng entwickelte »Weltethos-Idee«, die Frage nach gemeinsamen ethischen Werten und Maßstäben der Religionen. Sie besteht aus 16 Tafeln, die die acht großen Weltreligionen sowie Grundprinzipien und ethische Weisungen vorstellen.

 

Während der Ausstellungseröffnung gaben Schülerinnen verschiedener Religionen Einblicke in ihren Glauben. Lakshmi erzählte zusammen mit ihren hinduistischen Freundinnen Shagana und Thilaxshana von Riten und Bräuchen sowie von der Rolle der Frau und des Mannes. »Vor allem in Indien leben noch viele Hindus nach einer alten Rollenverteilung, wonach Männer sehr viel mehr Rechte als Frauen haben«, erklärte Thilaxshana. In ihrem Heimatland Sri Lanka würden die Eltern den Ehemann für die Tochter aussuchen, ergänzte Lakshmi. »Hier in Deutschland achten unsere Eltern zwar auch noch darauf, aber nicht mehr so streng.«

 

Die 16-jährige Rascha, die dem muslimischen Glauben angehört, erzählte ihren Mitschülerinnen von ihrem Tagesablauf, der stark durch das regelmäßige Gebet geprägt ist. Anschaulich führte sie es ihnen auf einem Gebetsteppich vor. »Ich finde es interessant, etwas über die anderen Religionen zu erfahren«, erklärte die Zehntklässlerin Harir. »Eigentlich unterscheiden wir uns gar nicht so stark, wie wir hier sehen. Wir sind eher wie eine große Familie.« Einen weiteren Einblick gewährte Rabea aus der fünften Klasse, in deren Familie drei Weltreligionen vertreten sind. Die Schülervertreterinnen Gesa und Marlene, die von sich aus auf die Schulleitung zugegangen waren, um mehr über die Weltreligionen zu erfahren, freuten sich besonders: »Mit der Ausstellung greifen wir das Thema Interreligiosität neu an unserer Schule auf; ein Thema, das man nicht genug unterstützen kann.«

 

Neugierig sein, Fragen stellen, ins Gespräch kommen – dazu ermutigten Schulleiter Arno Fischedick und Schulseelsorgerin Cornelia Bolle-Severin die Mädchen. Rund zehn bis 15 Prozent der Schülerinnen seien nicht christlichen Glaubens. »Darum ist es wichtig, dass wir die Werte kennenlernen, die wir als Gemeinschaft in der Schule und in der Stadt teilen und die uns verbinden, auch wenn wir unterschiedlichen Religionen angehören«, sagte Fischedick.

 

Bericht von Ann-Christin Ladermann, 26. 2. 2016